|
|
Titel:
Araputtel Autor: Boromirs Bride
Es war einmal....
ein Jüngling namens Aragorn, dem war sein Vater gestorben. Täglich ging er zu
seinem Grab und weinte und blieb fromm und gut. Als der Winter kam, deckte
der Schnee ein weißes Tüchlein auf das Grab, und als die Sonne im Frühjahr
es wieder herabgezogen hatte, nahm sich die Mutter einen anderen Mann. Er
hieß Saruman.
Der Mann hatte zwei Söhne mit ins Haus gebracht, Grima und
Lurtz. Sie waren hässlich, aber dafür garstig im Herzen. Da begann eine
schlimme Zeit für den armen Stiefsohn. "Soll der dumme Gockel bei uns in der
Stube sitzen?", sprachen die Brüder. "Wer Brot essen will, muss es verdienen!
Hinaus mit der Küchenmagd!" Sie nahmen dem armen Jüngling die Kleider weg,
zogen ihm einen grauen Kittel an und gaben ihm hölzerne Schuhe. "Seht einmal
den stolzen Prinzen, wie er geputzt ist!", riefen sie, lachten und führten
den Jüngling in die Küche. Da musste er vom Morgen bis in den späten Abend
schwere Arbeit tun, früh vor Tag aufstehen, Wasser tragen, Feuer anmachen
und waschen. Und sie gaben ihm den Spottnamen Araputtel. Abends, wenn er
sich müde gearbeitet hatte, bekam er kein Bett, sondern musste sich neben
den Herd in die Asche legen.
Als die Mutter einmal auf eine Messe reisen
wollte, fragte sie die beiden Stiefsöhne, was sie ihnen mitbringen sollte.
"Schöne Kleider", sagte Grima; "Perlen und Edelsteine", sagte Lurtz. Dann sagte
sie zu Araputtel: "Aber du, mein Kind, was willst du haben?" "Mutter, das
erste Reis, das euch auf eurem Heimweg an den Hut stößt, das brecht für mich
ab." Die Mutter kaufte für ihre Stiefsöhne schöne Kleider, Perlen und
Edelsteine, und auf dem Rückweg brach sie einen Haselreis ab, der ihr an den Hut
stieß. Zu Hause angekommen, gab sie Grima und Lurtz, was sie sich gewünscht
hatten, und als sie Araputtel seinen Haselreis gab, bedankte er sich
freudig. Dieses Reis pflanzte er sofort auf das Grab des Vaters und begoss
es mit seinen Tränen. Bald wuchs daraus ein schöner Haselbaum. Und jeden Tag
ging Araputtel hin und begoss ihn mit seinen Tränen.
Eines Tages geschah
es, dass der König ein Fest geben wollte, wozu alle schönen Jungfrauen des
Landes eingeladen wurden, damit sich sein Sohn, der tapfere Boromir, eine
Braut aussuchen könnte. Als die zwei Stiefbrüder davon hörten, waren sie
lustig und vergnügt. Sie riefen nach Araputtel und sagten: "Kämme mein Haar,
bürste uns die Schuhe und mache uns die Schnallen fest, wir gehen zur
Brautschau auf des Königs Schloss!" Araputtel gehorchte, weinte aber, weil
er auch gern zum Tanz mitgegangen wäre, und bat den Stiefvater, er möchte es
ihm erlauben. "Du, Araputtel", sprach er, "bist voll Staub und Schmutz und
willst zum Fest? Du hast keine Kleider und keine Schuhe und willst tanzen?"
Aber als Araputtel nicht aufhörte zu bitten, sprach der Stiefvater endlich: "Da
habe ich dir eine Schüssel Erbsen in die Asche geschüttet. Wenn du sie in
zwei Stunden wieder aufgelesen hast, darfst du mitgehen."
Traurig
hockte sich Araputtel neben den Haufen Erbsen und begann bitterlich zu weinen.
Da klopfte es plötzlich ans Fenster. Er öffnete und vier Hobbits hüpften
herein und begannen sofort, die Erbsen aufzulesen. Dabei sprachen sie die
ganze Zeit einen einzigen Satz: "Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins
Kröpfchen." Und als sie nach zwei Stunden die Arbeit beendet hatten, machten sie
vor Araputtel eine artige Verbeugung und kletterten wieder aus dem Fenster
hinaus. Da trug der Jüngling die Schüssel zum Stiefvater, freute sich und
glaubte, nun dürfte er zum Fest gehen. Aber der böse Saruman sprach: "Es
hilft dir doch alles nichts; du kannst nicht mit, denn du hast keine Kleider und
kannst nicht tanzen; wir müssten uns deiner schämen!" Darauf kehrte er dem
Jüngling den Rücken und eilte mit seinen stolzen Söhnen fort.
Als
nun niemand mehr daheim war, ging Araputtel zu seinem Vater ans Grab unter dem
Haselbaum und weinte bitterlich. Da stand plötzlich ein alter Mann in einem
grauen Gewand und mit einem spitzen Hut neben ihm und sprach: "Lieber
Jüngling, warum weinest du so sehr?" "Ach!", sprach Araputtel, "Ich wollte
doch so gern auf des Königs Brautschau, doch hat´s mir mein Stiefvater nicht
erlaubt." "Wenn es weiter nichts ist", sagte der Alte und lächelte gütig. Er
stellte sich unter den Baum, sprach in einer fremden Sprache geheime Worte
und schüttelte den Stamm. Da vielen die vier Hobbits herab. Sie stellten
sich vor das Grab und ein bunter Funkenregen rieselte auf sie herab, dass es nur
so qualmte. Und plötzlich standen anstatt ihrer vier stolze Rösser da. Und
der alte Mann holte eine wunderschöne rote Kugel aus seinem Mantel und
sprach abermals geheime Worte in der fremden Sprache. Dann war die Kugel
verschwunden und hinter den Rössern stand eine prächtige goldene Kutsche.
Araputtel", sagte der Alte, "steige in die Kutsche und kleide dich ein
mit dem kostbaren Gewand, das du darin findest. Die Pferde werden dich zum
Schlosse bringen. Aber merke dir: du musst vor Mitternacht wieder an diese
Stelle zurückgekehrt sein, denn zu dieser Stunde wird wieder alles wie
vorher." Araputtel dankte dem alten Mann und stieg in die Kutsche. Die
Pferde stoben davon. Der Jüngling betrachtete das wunderschöne goldene Kleid
auf den Sitzen, kleidete sich an und streifte sich die goldenen Pantoffel
über die seine zarten Füße.
Bald darauf hielten die Pferde an und
Araputtel stieg aus der Kutsche. Er eilte die breite Treppe zum Schloss
hinauf. Als er in den Festsaal trat, erkannte ihn niemand. Alle meinten, es
müsste eine Jungfrau aus einem anderen Land sein. Boromir trat ihm entgegen,
nahm ihn bei der Hand und tanzte mit ihm. Er wollte von jetzt an nur mit der
fremden Jungfrau tanzen und ließ seine Hand nicht mehr los. Als es auf
Mitternacht zuging, wollte Araputtel fort, und Boromir wollte ihn begleiten.
Doch der Jüngling entsprang dem Prinzen so geschwind, dass er nicht folgen
konnte. Als Araputtel die Treppe herabsprang, verlor er einen Pantoffel. Der
Königssohn hob ihn auf und betrachtete den zarten goldenen Schuh. Dann ging
er zu seinem Vater und sprach: "Niemand anders soll meine Braut sein, der dieser
Schuh gehört." Da freuten sich Grima und Lurtz, denn sie hatten schöne Füße.
Am nächsten Tag begab sich der Prinz auf die Suche und kam endlich auch
zum Haus von Saruman. Grima ging mit dem Schuh in die Kammer und wollte ihn
ausprobieren, und Saruman stand dabei. Aber er konnte mit der großen Zehe
nicht in den kleinen Schuh hineinkommen. Da reichte Saruman seinem Sohn ein
Messer und Grima schnitt seine Zehe ab, zwängte den Fuß in den Schuh, verbiss
den Schmerz und ging hinaus zu Boromir. Da nahm der Prinz Grima auf sein
Pferd und ritt mit ihm los. Sie mussten aber am Grab vorbei, da saßen die
vier Hobbits auf dem Haselbäumchen und riefen:
"Rucke di guh, rucke die
guh, Blut ist im Schuh. Der Schuh ist zu klein, die rechte Braut sitzt noch
daheim."
Da blickte der Königssohn auf Grimas Fuß und sah, wie das Blut
herausquoll. Er wendete sein Pferd um, brachte die falsche Braut wieder nach
Hause und sagte, das wäre nicht der rechte, Lurtz solle den Schuh anziehen.
Da ging Lurtz in die Kammer und kam mit den Zehen glücklich in den Schuh, aber
die Ferse war zu groß. Da reichte ihm Saruman ein Messer und Lurtz hieb ein
Stück von der Ferse ab, zwängte den Fuß in den Schuh, verbiss den Schmerz
und ging hinaus zum Königssohn. Da nahm Boromir ihn als seine Braut aufs
Pferd und ritt mit ihm fort. Als sie an dem Haselbäumchen vorbeikamen, saßen
die vier Hobbits darauf und riefen:
"Rucke di guh, rucke die guh, Blut
ist im Schuh. Der Schuh ist zu klein, die rechte Braut sitzt noch daheim."
Boromir blickte auf Lurtz´ Fuß und sah, wie das Blut aus dem Schuh quoll
und an den weißen Strümpfen ganz rot heraufgestiegen war. Da wendete er sein
Pferd und brachte die falsche Braut wieder nach Hause.
"Das ist auch
nicht die rechte Braut", sprach er, "habt Ihr keinen anderen Sohn?" "Nein",
sagte die Frau, "nur von meinem verstorbenen Mann ist noch ein dünner,
unscheinbarer Araputtel da; das kann unmöglich die Braut sein." Boromir
sprach, sie solle ihn heraufschicken, Saruman aber antwortete: "Ach nein,
der Junge ist viel zu schmutzig, der darf sich nicht sehen lassen." Der Prinz
wollte ihn aber durchaus sehen, und Araputtel musste gerufen werden. Da
wusch er sich erst Hände und Gesicht rein, ging dann hinaus und neigte sich
vor dem Königssohn, der ihm den goldenen Schuh reichte. Dann setzte sich der
Jüngling auf einen Schemel, zog den Fuß aus dem schweren Holzschuh und steckte
ihn in den Pantoffel. Der saß wie angegossen. Und als sich Araputtel in die
Höhe richtete und Boromir ihm ins Gesicht sah, erkannte er den schönen
Jüngling, mit dem er getanzt hatte, und rief: "Das ist die rechte Braut!"
Der Stiefvater Saruman und die beiden Brüder Grima und Lurtz erschraken
und wurden bleich vor Ärger; Boromir aber nahm Araputtel aufs Pferd und ritt
mit ihm fort. Als sie an dem Haselbäumchen vorbeikamen, riefen die vier
Hobbits:
"Rucke di guh, rucke die guh, kein Blut ist im Schuh. Der
Schuh ist nicht zu klein, die rechte Braut, die führt er heim."
Und als
die Hobbits das gerufen hatten, kamen sie herabgesprungen und setzten sich auf
Araputtels und Boromirs Schultern, je einer rechts und einer links, und
blieben da sitzen.
Als die Hochzeit gehalten werden sollte, kamen die
falschen Brüder, wollten sich einschmeicheln und an seinem Glück teilnehmen.
Wie die Brautleute nun zur Kirche gingen, schritt Grima zur rechten, Lurtz
zur linken Seite. Da drückten ihnen die Hobbits die Augen aus. So waren die
beiden Brüder für ihre Bosheit und Falschheit ihr Leben lang mit Blindheit
gestraft.
Und wenn sie nich gestorben sind, dann leben sie noch heute.
~~~~~
|
|
|