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Titel:
Sag mal, Ada
Autor: Lomearni


Es war einmal an einem wunderschönen Winterabend, die Sterne glitzerten schon hoch am Himmel, obgleich die Zeit noch gar nicht so weit fortgeschritten war, da begab es sich, dass der König des Düsterwaldes endlich einmal die Zeit fand in Ruhe ein Buch zu lesen.
 
Dachte er zumindest, denn er hatte es sich gerade erst in seinem Lesesessel gemütlich gemacht, da wurde auch schon die Tür aufgerissen und ein kleiner Wirbelwind, bei dem es sich bei genauerer Betrachtung um seinen Sohn Legolas handelte, stürzte ins Zimmer.

Leise seufzend legte Thranduil das Buch zurück, denn eines wusste er ganz genau: Wenn Legolas  zu ihm kam, dann war an Ruhe nicht zu denken, erst recht nicht, wenn der Kleine es so eilig hatte zu ihm zu kommen, wie jetzt.

"Nun mein Sohn, was verschafft mir die Ehre deines stürmischen Besuchs", fragte er höflich und konnte sich nur leicht ein Schmunzeln verkneifen.

Wieder einmal hatte der junge Prinz es geschafft, dass seine Haare verwuschelt vom Kopf hingen und auch die Tunika hatte ein paar Falten mehr als eigentlich gedacht war.
Doch dies alles war nichts im Vergleich zu den leuchtenden Augen und roten Bäckchen des Kleinen, denen sich König Thranduil nun gegenüber sah.

Er sieht aber auch zu goldig aus, wenn die Aufregung seine Wangen färbt und die Augen in diesem hellen Blau erstrahlen, in das ich mich bereits bei seiner Mutter verliebte. Wie wünschte ich sie wäre nun hier und könnte sehen was unsere Liebe der Welt vermacht hat. Doch eines Tages werde ich sie in Valinor wieder sehen und dann soll sie jedes noch so kleine Ereignis erfahren, das sich im Leben unseres Sohnes abspielte. Auch wenn das bei seinem Unternehmungsgeist wohl sehr viel werden dürfte.

"Ada, Ada…"
Wild rüttelte Legolas an einem Ärmel von Thranduils Tunika, denn dieser war in Gedanken soweit abgedriftet, dass er seinen Sohn gar nicht mehr wahrgenommen hatte. Einen Umstand, den der Kleine sofort beheben musste, schließlich gab es da ein paar wichtige Fragen, die ihm auf dem Herzen lagen und die natürlich schnellstens beantwortet werden mussten!

So machte es sich der junge Elb auf dem Teppich vor dem Sessel bequem, der seinen Vater beherbigte, jedoch nicht ohne vorher ein Zimtsternchen vom Weihnachtsteller seines Adas als Fragezehrung mitzunehmen (was, nebenbei bemerkt, übrigens durchaus mit der bekannten Wegzehrung zu vergleichen ist) und schaute einen Moment nachdenklich ins Feuer, das im Kamin lustig vor sich hin prasselte.

Schnell wanderte sein Blick jedoch wieder zu seinem Vater und ein unheilvolles "duuuuu ada", verließ den kleinen Mund.
"Was liegt dir denn auf dem Herzen, Legolas", fragte Thranduil sogleich fürsorglich, doch innerlich schickte er einige Stoßgebete zu Eru, dass sein Sohn nicht wieder einmal seine Warum- Frage- Phase hatte, die ihn schon mehr als einmal fast in den Wahnsinn getrieben hätte.
Mit einem einfachen das ist halt so kommt man bei einem jungen Elbenprinzen nämlich nicht sehr weit, wie er leider bereits mehrmals feststellen musste.

"Warum trägt Tante Gala eigentlich immer so einen Heiligenschein, wenn wir sie zu Weihnachten besuchen", erklang auch sofort die erste Frage vom Teppich her.

"Nun mein Sohn, du weißt doch sicherlich, dass der Ainu ganz viele Geschenke verteilen muss, was er natürlich nicht ganz alleine schaffen kann."
Legolas nickte zustimmend.

"Und deshalb hat er dafür Helfer, die so genannten Engel. Diese Wesen tragen immer ein langes, weißes Kleid und ein goldener Schein erstrahlt um ihre Stirn, so hell, wie die Sterne am Abendhimmel. Sie haben große Flügel mit weißen Federn, mit denen sie durch den Himmel fliegen und schnell von einem Kind zum Anderen gelangen, um alle Geschenke zu verteilen, die der Ainu selbst nicht mehr schaffen würde.

Als Dank für diese harte Arbeit, die sich der Ainu jedes Jahr macht, stellen wir ihm ja immer ein Tellerchen mit Plätzchen und ein Glas frische Milch hin, doch den Engeln können wir auf diese Art nicht danken, denn sie sind scheu und lassen sich nur selten sehen.
Deshalb zieht sich Tante Galadriel zu Weihnachten immer so hübsch an und trägt diesen, so genannten, Heiligenschein, damit die Engel im Himmel sehen, dass wir auch an sie denken und ihnen dankbar sind!"

"Das ist aber lieb von den Engeln, dass die dem Ainu immer helfen!
Hoffentlich freuen sie sich auch, wenn Tante Gala so herumläuft wie sie, Onkel Elrond schimpft nämlich immer, wenn Elladan seine Sachen trägt!"

Fast hätte König Thranduil den Wein wieder ausgespuckt, an dem er gerade genippt hatte, doch Eru meinte es gut mit ihm und der Wein fand schließlich doch noch den Weg, der eigentlich für ihn gedacht war - den Hals hinunter.

Der Wissensdurst des jungen Prinzen war jedoch noch nicht gestillt und so folgte auch sogleich die nächste Frage, die ihm sein schlauer Ada bestimmt beantworten könnte.

"Du sag mal Ada, aber wenn der Ainu es doch nicht immer schafft alle Kinder zu besuchen, warum war er dann immer bei uns? Ist es denn nicht ungerecht, wenn er hier immer ist und andere Kinder ganz oft ohne ihn feiern müssen?"

Fragend schaute er zu seinem Vater auf und man sah dem Kleinen deutlich das schlechte Gewissen an, denn dass er den Ainu immer für sich hatte, während andere vielleicht ohne ihn sein mussten, das machte ihm doch sehr zu schaffen und er wollte gar nicht wissen wie man sich wohl fühlen würde, wenn der Ainu einmal nicht kam, obwohl man doch immer so ungeduldig und freudig auf ihn wartete.

"Sei unbesorgt Legolas, auch dafür ist gesorgt!
Der Ainu hat nämlich nicht nur die Engel als Helfer, sondern auch ganz viele Menschen, Zwerge, Istari und Elben, die ebenso gekleidet sind wie der Ainu und die die Kinder, die er nicht selbst besuchen kann, dann aufsuchen, damit auch diese ein schönes Weihnachten haben."

"War Onkel Elrond deshalb letztes Jahr wie der Ainu angezogen, weil er ihn vertreten hat", fragte der kleine Prinz mit leuchtenden Augen und das schlechte Gewissen war wieder vergessen.

"Genau so ist es, mein Sohn und er hat seine Sache doch wirklich gut gemacht, nicht wahr", entgegnete König Thranduil und zwinkerte dem Jungen verschmitzt zu.

"Jaaaaa, aber mit dem Bart sieht Onkel Elrond ganz komisch aus", meinte dieser nur lachend, beeilte sich jedoch die letzte Frage zu stellen, denn sein Vater sah nicht so aus, als würde er ihm noch viele gestatten, was man deutlich daran sehen konnte, dass der König angefangen hatte, ungeduldig, an der Sessellehne herumzuspielen.

Legolas kannte diese Zeichen schon gut, auch wenn er sie meist ignorierte und trotzdem versuchte alles zu erfahren, selbst wenn er die Geduld seines Vaters dabei auf eine große Probe stellte.
Wissensdurst musste schließlich befriedigt werden und wer konnte das schon besser als sein schlauer Ada?

"Ada sag mal, warum hatte König Éomer, als er das letzte Mal in Imladris zu Besuch war, abends nur eine rote Zipfelmütze auf und sonst nichts an?
Und warum hat er Lord Glorfindel, der doch eigentlich gar nicht böse ist, mit einer Rute gehauen, so dass auf seinem Po schon ein kariertes Muster zu sehen war?"

Fragend schaute er zu seinem Vater auf, der diesmal wirklich nicht sicher war was er darauf antworten sollte, da er die Antworten selbst gerne gewusst hätte und durch die Enthüllung seines Sohnes zudem überrascht worden war.

Dass König Éomer häufig in Imladris zu Gast war und doch selten im Gästezimmer verweilte, war eigentlich jedem bekannt, doch solche Vorkommnisse hätten wohl die Wenigsten, wenn überhaupt jemand, in den Gemächern von Lord Glorfindel erwartet!

König Thranduil hatte jedoch keine Zeit weiter seinen Gedanken nachzuhängen, denn sein Sohn saß noch immer vor ihm und wartete gespannt auf eine Antwort.

"Nun Legolas… du weißt doch noch letztes Jahr in Imladris, da gab es diese wunderschöne Bühnenaufführung, bei der alles echt aussah und hinterher habe ich dir erklärt, dass das alles nur gespielt war und Lord Glorfindel nicht die Absicht hatte Elrohir zu verletzen, als beide mit dem Schwert aufeinander losgegangen sind!
Und genauso ist es in diesem Fall!

König Éomer würde Lord Glorfindel sicher nicht verletzen, sie haben bestimmt nur gespielt und die Striemen von der Rute waren mit Farbe aufgemalt, wie die Verletzung bei der Bühnenaufführung im letzten Jahr!"

Erleichtert bemerkte er, dass sein Sohn verstehend nickte, als mache das Ganze für ihn nun endlich einen Sinn, und dann heftig gähnte.

"Genug für heute, es ist schon spät!
Ab ins Bett mit dir mein Sohn, auf, auf!"
Lachend schob er den kleinen Prinzen vor sich her, der beleidigt vor sich hinbrummelte und behauptete noch gar nicht müde zu sein, obwohl ihm die Augen schon fast beim Gehen zu fielen.



ENDE